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Neuerungen für 2021
Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung im Homeoffice
  • von BMH
  • Kategorie: Allgemeines
  • Datum: 01.02.2021

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise arbeiten immer mehr Arbeitnehmer im Homeoffice. Bis 2019 war das Homeoffice für viele Arbeitnehmer eher als Ausnahmeregelung vorgesehen (wenn das Kind erkrankt oder Handwerkertermine anstehen). Doch seit 2020 ist der Heimarbeitsplatz in vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) plant sogar die Einführung eines Rechtsanspruches auf Homeoffice. Arbeitnehmer sollen somit an mind. 24 Tage p. a. von zu Hause aus arbeiten dürfen, sofern dies im Unternehmen organisatorisch realisierbar ist. Heils Gesetzentwurf sieht zudem vor, dass der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung ausgeweitet wird.

In der gesetzlichen Unfallversicherung wird derzeit noch streng zwischen privaten und beruflichen Tätigkeiten unterschieden. Im Homeoffice ist der Versicherungsschutz für Arbeitnehmer leider noch sehr lückenhaft. Prinzipiell besteht Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung während der Ausübung des Berufes und auf dem Weg zu und von der Arbeit. Das gilt u. a. auch für Studenten und Schüler. Für alle Unfälle, die außerhalb dieser Zeit und somit nicht in Verbindung mit der beruflichen Tätigkeit stehen, besteht kein Leistungsanspruch aus der gesetzlichen Unfallversicherung.

Mit der Frage, was genau zur Arbeit gehört und was zum Privaten, müssen sich regelmäßig Gerichte auseinandersetzen. Im Homeoffice ist diese Trennung sehr schwierig. Allein durch die räumliche Situation verschmelzen hier der berufliche und private Bereich viel stärker als etwa auf dem Arbeitsweg. Wenn ein Unfall im Homeoffice eintritt, versucht die Rechtsprechung berufliche und private Angelegenheiten fein säuberlich aufzudröseln. Das hat jedoch Auswirkungen auf den Versicherungsschutz.

Beispiel-Urteil 1: Sturz beim Wasserholen

Wer sich im Homeoffice etwas zu trinken holt und dabei einen Unfall (Bsp. Sturz) erleidet, ist nicht versichert. Ein Arbeitnehmer ist im Homeoffice zum Wasser holen eine Treppe innerhalb seines Hauses hinabgestiegen und dabei gestürzt. Das Bundessozialgericht hat 2016 entschieden, dass dieser Sturz nicht gesetzlich unfallversichert ist. „Wenn bei einer häuslichen Arbeitsstätte (Homeoffice) ein Weg innerhalb des Wohngebäudes zurückgelegt wird, um einer eigenwirtschaftlichen Tätigkeit (hier: Trinken) nachzugehen“, so das Urteil, bestehe kein Versicherungsschutz. Laut Bundessozialgericht könne man den Arbeitgeber nicht für die Risiken in der privaten Wohnung des Arbeitnehmers verantwortlich machen. (Bundessozialgericht, Aktenzeichen B 2 U 5/15 R)

Beispiel-Urteil 2: Sturz beim Wasserlassen

Wer im Büro die Toilette aufsucht geniest vollen Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung. Im Homeoffice gilt das leider nicht. So sieht es jedenfalls das Sozialgericht München. Ein Arbeitnehmer war auf dem Rückweg vom heimischen WC gestürzt und wollte den Sturz als Arbeitsunfall geltend machen. (Aktenzeichen: S 40 U 227/18).

Beispiel-Urteil 3: Sturz auf dem Weg zur Kita

Seit 1971 gilt, wer sein Kind auf dem Weg zur Arbeit in die Kita bringt, ist gesetzlich unfallversichert. Laut Bundessozialgericht besteht jedoch kein Versicherungsschutz für Unfälle, die sich auf dem Weg von der Kita nach Hause (zum Homeoffice) ereignen.

Aufgrund von Blitzeis stürzte eine Mutter mit dem Fahrrad und zog sich eine Fraktur zu. Sie befand sich auf dem Rückweg von der Kita zum Homeoffice. Die gesetzliche Krankenkasse der Frau wollte die Behandlungskosten in Höhe von etwa 19.000,00 EUR vom Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zurückholen, jedoch erfolglos. Sowohl das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen als auch das Bundessozialgericht sahen diesen Vorfall nicht als Arbeitsunfall an (Aktenzeichen: B 2 U 19/18 R).

Kurzum: Wer im Homeoffice etwas tut, was nicht eindeutig und in direktem Zusammenhang zu seiner beruflichen Tätigkeit steht, ist nicht gesetzlich unfallversichert!

Mit einer privaten Unfallversicherung hingegen ist man rund um die Uhr sowohl im Privaten als auch während der beruflichen Tätigkeit (egal ob im Büro oder Homeoffice) versichert. Die Leistungen / Versicherungssummen können individuell auf die persönlichen Wünsche angepasst werden. Sollten Sie sich für eine Angebotsberechnung interessieren, kommen Sie am besten telefonisch oder per E-Mail auf uns zu. Wir beraten Sie gern.

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